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Austrian Music Award 2012 (German version)
Austrian Music Award 2012 (German version)
By Dom Kamper
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2012-05-11
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Der verlorene Schatz Österreichischer Kultur
Der Amadeus Award 2012 feiert im Volksgarten die erfolgreichsten Produktionen der letzten Jahre

Unter dem Aspekt, dass Verkaufszahlen alleine die Qualität eines musikalischen Konzepts repräsentieren, fand am 01.Mai 2012 der Austrian Music Award unter plebejischen Prunk im Volkstheater in Wien statt. Die größte Musikpreisverleihung des Landes, unter der Schirmherrschaft des Verbandes der Österreichischen Musikwirtschaft (IFPI), bot jedoch nicht nur eine Leistungsschau und Revue wirtschaftlicher Erfolge der vergangenen Jahre, sondern auch ein Programm, welches respektvoll Österreichische Popkultur abzeichnen sollte.

Bereits zu Beginn der Show durften ausländische und Undergroundjournalisten -über Videowall in einer Discothek- sofort feststellen, dass das Produkt AMADEUS keineswegs exportorientiert auftreten möchte. Schon das Moderatorenskript unterzeichnete die künstlerische Quarantäne, in der man sich hier doch befinden möchte. In einem 90er Jahre-Academyawardshow nachempfundenen Entrée, flog man dank Obszönität und drittklassiger schauspielerischer Leistung leider doch immer wieder in hohem Bogen an einem Status vorbei, den man hier -medial unterstützt- erreichen wollte. Vielleicht wurde auch nur zu wenig geprobt. Mit Pointen aus dem Discountregal versuchte der männliche Protagonist, gespielt von Manuel Rubey, in der Zeit von 20.00h - 22.00h das Publikum für sich zu gewinnen. Als charmanterer Konterpart wurde Bianca Schwarzjirg empfunden, der leider die Tontechnik einen Streich spielte, denn die Zischlaute in ihrer Aussprache wurden als immer störender registriert. Ein professioneller Man am Ton hätte mit Gates und Equalizern bestimmt seinen Zweck erfüllt.

Wenn auch das Skript so seine Schwächen aufzuweisen wusste, so krönte dafür die musikalische Darbietung umso liebevoller den Sinn der Sache. Ein durch Vielfalt gekennzeichnetes LineUp, ein internationaler Gastbeitrag und viele schöne pathetische Momente zeigten, wie wichtig Musik in diesem Land ist. Hängen geblieben ist dabei besonders der Beitrag der Trackshittaz zu Beginn. Unser Beitrag für den Songcontest hat mit zwei Nummern, einer fesselnden, spannenden und vor allem kraftvollen Show, den letzten Skeptiker überzeugen wollen, dass unsere Lösung für diesen internationalen Wettbewerb die angemessenere gewesen sein wird. Noch immer im Ohr rotiert Mr. Mraz, der sogar der Österreichischen Soulsängerin Saint Lu den Wunsch eines gemeinsamen Duetts nicht abschlagen konnte. Charismatisch und sehr authentisch.

Bereits im Vorhinein war den Zynikern aber bekannt, dass diese Veranstaltung keineswegs durchführbar gewesen wäre, wenn es nicht zwei fleißige Akteure der Österreichischen Musikkulturlandschaft gäbe, die meines Erachtens die Gastgeber des Abends waren und die gratis Brötchen und Freigetränke im VIP-Bereich finanzierten. In der Kategorie Schlager und als bester Live Act konnte einer der Beiden, Andreas Gabalier, überzeugen und so stützen nun zwei gläserne Grammophone den erst vor kurzem erhaltenen Echo am hauseigenen Kamin. Hubert von Goisern, die dienstältere, intellektuellere und wortgewandtere Alternative des Volks-Rock‘n‘Roller gewann in den Kategorien Album des Jahres und im Bereich Pop/Rock. Als bester Live Song ging "Von Mello bis ge Schoppornou" von Holstuonamusigbigbandclub hervor. Das OneHitWonder aus Vorarlberg hat bereits über ein Jahr zuvor mit einer Hommage an den Vorarlberger Dialekt für viel Kopfzerbrechen gesorgt.

Nach der Preisverleihung lud der Veranstalter die Gäste zur Aftershowparty in den Volksgarten ein, um das Schokobrunnenszenario, das wir letztes Jahr leider vermissen mussten, gebührend nachzufeiern. Bis 04.00h in der Früh durften wir uns an HotDogs, Popcorn und kostenlosen Mojitos laben und eckten ständig an Teilnehmer dieser sakralen Veranstaltung rund um den Duft abgestanden Weihrauchs an, die ihre Karte entweder von einem der vielen Sponsoren bekommen haben oder gar nicht erst wussten, was denn hier gefeiert wird. Der verlorene Schatz Österreichischer Kultur, der inmitten von Quotenregelungsdebatten gesucht wird, konnte leider auch nicht die Antwort darauf geben, warum wir so stolz sind, dass jedes dritte Album in den Top 100 aus heimischer Produktion ist, da entweder Gabalier oder von Goisern darauf steht. Was viel wichtiger ist, und das ist hier das klare Statement des Abends gewesen: Ein erfolgreicher Act zeichnet sich dadurch aus, dass er die eigene Kultur repräsentiert, visuell, akustisch sowie intellektuell kohärent ist und das kleine musikalische Gallien nur wenig erschütternd reflektiert. Ein Konzept, dass seit wahrscheinlich Jahrzehnten funktioniert, denn einer Industrie unkreativer Duracellhasen wird der Saft wahrscheinlich doch nicht so schnell ausgehen.

Foto (c) Andreas Tischler


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